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7. Oktober 2003
Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hat beschlossen, den Nobelpreis des Jahres 2003 in Physik „für bahnbrechende Arbeiten in der Theorie über Supraleiter und Supraflüssigkeiten“ gemeinsam zu verleihen an
Alexei A. Abrikosov
Argonne National Laboratory, Argonne, Illinois, U.S.A.,
Vitaly L. Ginzburg
P.N. Lebedev Physical Institute, Moskau, Russland, und
Anthony J. Leggett
University of Illinois, Urbana, Illinois, U.S.A.
Der diesjährige Nobelpreis in Physik zeichnet drei Forscher aus, die entscheidende Arbeiten über zwei quantenphysikalische Phänomene ausgeführt haben: Supraleitung und Suprafluidität. Supraleitendes Material wird z. B. in Kernspintomographen für medizinische Untersuchungen und in Teilchenbeschleunigern in der Physik verwendet. Kenntnisse über suprafluide Flüssigkeiten können uns vertiefende Einsichten darüber geben, wie die Materie in ihrem niedrigsten und meistgeordneten Energiezustand auftritt.
Bei niedrigen Temperaturen (einige Grade
über dem absoluten Nullpunkt) lassen gewisse Metalle
elektrischen Strom ohne Widerstand passieren. Derartige
supraleitende Materialien haben darüber hinaus die
Eigenschaft, den Magnetfluss ganz oder teilweise zu
verdrängen. Diejenigen, die den Magnetfluss ganz
verdrängen, werden als Typ I-Supraleiter bezeichnet und eine
Theorie über diese wurde 1972 mit dem Nobelpreis in
Physik ausgezeichnet. Die Theorie, die darauf aufbaut, dass
Elektronenpaare gebildet werden, erwies sich jedoch zur
Erklärung der Supraleitung in den technisch wichtigsten
Materialien als unzureichend. Diese so genannten Typ
II-Supraleiter lassen Supraleitung und Magnetismus zusammen
existieren und bleiben in hohem Magnetfeld supraleitend.
Alexei Abrikosov gelang die theoretische Erklärung
dieses Phänomens. Er ging von einer Theorie aus, die von u.
a. Vitaly Ginzburg für Typ I-Supraleiter
ausgearbeitet worden war, sich aber als so umfangreich erwies,
dass sie auch auf den neuen Typ anwendbar war. Obwohl die
Theorien schon in den 50er Jahren formuliert wurden, haben sie
neue Aktualität durch die schnelle Entwicklung von
Materialien mit ganz neuen Eigenschaften erhalten. Nun
können diese bei immer höheren Temperaturen und
stärkeren Magnetfeldern supraleitend gemacht werden.
Flüssiges Helium kann suprafluid werden, d. h. die
Viskosität verschwindet bei niedrigen Temperaturen. Atome
des seltenen Isotops 3He müssen Paare bilden,
analog zu den Elektronenpaaren in metallischen Supraleitern. Es
war Anthony Leggett, der in den 70er Jahren die Theorie
formuliert hat, welche erklärt, wie die 3He-Atome
in dem suprafluiden Zustand wechselwirken und geordnet werden.
Vor kurzem ausgeführte Modellstudien zeigen wie diese
Ordnung in Chaos oder Turbulenz übergeht. Das ist eines der
von der klassischen Physik ungelösten Probleme.
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Alexei A. Abrikosov, geb. 1928 (75 Jahre) in Moskau in der ehemaligen Sowjetunion, Bürger der USA (und Russlands). Promotion in Physik 1951 am Institute for Physical Problems, Moskau. Distinguished Argonne Scientist, Argonne National Laboratory, Argonne, Illinois, U.S.A.
Vitaly L. Ginzburg, geb. 1916 (87 Jahre) in Moskau, Russland (Bürger Russlands). Promotion in Physik 1940 an der Universität in Moskau. Ehemaliger Leiter der Theoriegruppe am P.N. Lebedev Physical Institute, Moskau, Russland.
Anthony J. Leggett, geb. 1938 (65 Jahre) in London, Großbritannien (Bürger der USA und Großbritanniens). Promotion in Physik 1964 an der Universität in Oxford. MacArthur Professor an der University of Illinois, Urbana-Champaign, U.S.A.
Preissumme: 10 Millionen Schwedische Kronen, die zu gleichen Teilen zwischen den Preisträgern aufgeteilt werden.
Kontaktpersonen: Jonas Förare, Wissenschaftsredakteur, Tel. + 46 8 673 95 44, +46 703 27 72 00, jonas@kva.se, und Eva Krutmeijer, Leiterin der Informationsabteilung, Tel. +46 8 673 95 95, +46 709 84 66 38, evak@kva.se